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Andacht 22.02.2012

22.02.2012 | von Jürgen Schammer

elsone | photocase.de

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Auch du, Mensch, der du dieses Treiben missbil­ligst: Du hast keine Entschuldigung. Wenn du solche Leute verurteilst, sprichst du damit dir selbst das Urteil; denn du handelst genauso wie sie. Römer 2,1 (Gute Nachricht Bibel)

Eisberge beeindrucken. Doch spätestens seit dem Untergang der „Titanic" wissen die Menschen um die Gefährlichkeit der schwimmenden Giganten. Nur etwa ein Siebtel der Eismasse ragt aus dem Wasser und sie deswegen manchmal unterschätzt.

„Das ist nur die Spitze des Eisbergs!" Diese Bemer­kung fällt oft, wenn etwas moralisch Verwerfliches öffentlich bekannt wird. In der ersten Jahreshälfte 2010 war der „Eisberg" Kindesmissbrauch durch Geistliche und Lehrer ein beherrschendes Thema in den Medien. Es gab allgemeines Entsetzen darüber, welches Ausmaß dieser schändliche „Koloss" über Jahrzehnte unter der Oberfläche angenommen hat­te. Das Vertrauen in zahlreiche Einrichtungen wur­de nachhaltig erschüttert, weil das Ganze vor allem dort passiert war, wo man es kaum erwartet hatte. Zwar sind wir zu Recht über das Fehlverhalten von Geistlichen empört und zugleich traurig, aber hä­misch mit dem Finger auf andere zu zeigen lässt sich mit christlicher Gesinnung nicht vereinbaren. Schließlich wurden auch Fälle aus Adventgemein­den bekannt. Nicht ohne Grund wurde auf der Generalkonferenzvollversammlung die Gemeinde­ordnung in Sachen Missbrauch und unverantwort­lichem Verhalten gegenüber Kindern und Jugend­lichen erheblich verschärft.

„Das ist nur die Spitze des Eisbergs!" Trifft das vielleicht gar auf unser eigenes Leben zu? Schwimmt auch in unserem Leben mancher „Eisberg", von dem nur die „harmlose Spitze" zu sehen ist, weil wir den Rest gekonnt verbergen? Richtig schlimm erscheint immer das, was bei anderen offenbar wird. Wir er­regen uns darüber - und tun manchmal dasselbe oder Ähnliches! Vor solch einer Haltung warnt Pau­lus in dem Römertext.

Die größten Probleme hatte Jesus nicht mit den Menschen, die zu ihren Sünden standen, sondern mit denen, „die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern" (Lk 18,9). Als er Klartext mit ihnen sprach, tat er das nicht, um sie abzukan­zeln, sondern um sie zur Einsicht zu bewegen (siehe Mt 23).

Um bei unserem Bild zu bleiben: Sicher ist, dass alle „Eisberge" der Sünde, die unter das warme Licht göttlicher Vergebung und Veränderung ge­bracht werden, wegschmelzen und dann nieman­dem mehr schaden können.      

© Advent-Verlag Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung

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